Kempen: "Die Politik muss Brücken für die Wissenschaft bauen"

26.04.17

Appell des DHV anlässlich der bevorstehenden Brexit-Verhandlungen

Vor dem Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am kommenden Samstag hat der Deutsche Hochschulverband (DHV) an die politisch Verantwortlichen appelliert, die nunmehr beginnenden Ausrittsverhandlungen der Briten aus der Europäischen Union wissenschaftsfreundlich zu führen. Dazu gehöre insbesondere die Sicherung der Reise- und
Visafreiheit von Wissenschaftlern und Studierenden.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten wollen sich am 29. April 2017 über Richtlinien für die anstehenden Brexit-Gespräche verständigen. Die britische Regierung hatte am 29. März ihr Austrittsgesuch aus der EU gestellt, so dass nunmehr die vertraglich vorgesehene Frist von zwei Jahren für Gespräche über einen Austritt läuft.

"Das britische Votum für den Ausstieg aus der EU hat unter den Wissenschaftlerinnen und WissenschaftlernDer besseren Lesbarkeit halber gelten alle maskulinen Personen- und Funktionsbezeichnungen auf unseren Seiten für Frauen und Männer in gleicher Weise. Es gilt: Pronuntiatio sermonis in sexu masculino ad utrumque sexum plerumque porrigitur (Corpus Iuris Civilis Dig. 50,16,195, veröffentlicht 533 n. Chr.), übersetzt: Die Redeform im männlichen Geschlecht erstreckt sich für gewöhnlich auf beide Geschlechter. sowie Studierenden grenzüberschreitend zu Verunsicherung geführt", betonte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. "Angesichts der engen Vernetzung britischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Kolleginnen und Kollegen aus den Mitgliedstaaten der EU, insbesondere auch aus Deutschland,  ist es im Interesse der europäischen Wissenschaft und sowohl für die EU als auch Großbritannien sinnvoll, den bislang florierenden Austausch unvermindert und möglichst ohne allzu große Reibungsverluste fortzuführen." Ohne eine weitere enge Zusammenarbeit Großbritanniens mit dem europäischen Hochschul- und Forschungsraum werde Europa als Ganzes verlieren und es noch schwerer werden, sich im Wettbewerb mit anderen Wissenschaftsregionen wie Nordamerika und Ost- wie Südostasien zu behaupten. "Die europäischen Hochschulen brauchen einander. Der Beitrag der britischen Wissenschaft ist weiterhin willkommen und unverzichtbar", betonte Kempen.  Es sei wichtig, dass die Briten weiterhin Zugriffsmöglichkeiten auf europäische Förderprogramme bekämen und Wissenschaftler und Studierende aus der EU freien Zugang nach Großbritannien erhielten. Trotz der antieuropäischen Entscheidung der Briten gelte es nun, besonnen und pragmatisch zu agieren. "Die Politik muss Brücken für die Wissenschaft bauen, nur dann kann die Wissenschaft auch Brücken für die Politik bauen", hob Kempen abschließend hervor.